Rache muss sein

Gibt's hier was zu sehen? Ehrlich gesagt: Nein. Foto: Warner.

Süddeutsche Zeitung, 26. Dezember 2016

 

Erfolgsregisseur Wolfgang Petersen geht auf Nummer sicher, holt vier deutsche Top-Akteure für seinen Film "Vier gegen die Bank" zusammen – hilft leider alles nichts.

 

Der deutsche Regisseur Wolfgang Petersen hat eine Traumkarriere gehabt. Nach seinem internationalen Erfolg mit "Das Boot" drehte er von 1986 an in Hollywood Filme wie "Air Force One" oder "Troja", die Studios vertrauten ihm dreistellige Millionenbudgets, Heere von Komparsen und Weltstars an.

 

Dann kam 2006 "Poseidon", ein Film über eine Schiffskatastrophe, und man hatte das Gefühl, hier gehe, zusammen mit dem Schiff, auch die CGI-berauschte Epoche der Katastrophenfilme unter. Was auch immer die Zuschauer wollten, "Poseidon" war es jedenfalls nicht. Es wurde still um Wolfgang Petersen in Amerika. Jetzt ist er wieder da, in Deutschland. Mit einem lustig-netten Banküberfall-Film.

 

Die heimliche Verbindung zwischen "Vier gegen die Bank" und dem verfluchten "Poseidon" erschließt sich über die Konsequenz, mit der hier alles, aber auch wirklich alles anders gemacht wurde. Statt ein Riesenbudget tragisch gegen eine riesige Wasserwand zu fahren, zeigt sich der neue Film als ein knuffiges Geschichtchen zur Weihnachtszeit, das niemandem wehtut, eine Komödie mit einer "Tatort"-mäßigen Prise an Thriller. Und während in "Poseidon" echte Sympathieträger in der Besetzung fehlten, was zum Misserfolg beigetragen haben mag, gibt es hier gleich vier, zudem in ihren Paraderollen. Til Schweiger spielt einen älter werdenden Boxer, und zwar so, als habe er seine Drehpausen mit einem guten Weißwein verbracht: als einen nuschelnden Angeber mit Pflaster überm Auge, kuschlig weich in der Birne, der Typ Soft-Proll, den es nur im Film gibt. Auch Matthias Schweighöfer ist dabei, er darf enge Klamotten tragen. Und "Tatort"-Liebling Jan Josef Liefers spielt, was ihm vielleicht zu denken geben sollte, einen Schauspieler.

 

Die drei lernen sich kennen, weil jeder von ihnen sein sauer verdientes Geld verloren hat. Ihr Anlageberater, von Michael "Bully" Herbig verkörpert, hat Mist gebaut. Er kann aber gar nichts dafür. Weil er, der verklemmte Neurotiker, seine Depots zu konservativ führt, will ihn sein Chef durch ein hochbefördertes Busenwunder ersetzen. Also enthält er ihm wichtige Informationen vor, schon ist das Geld weg, und der Chef hat endlich einen Grund, ihn zu feuern. Als die drei das erfahren, beschließen sie, ihrem wimmernden Anlageberater doch nicht die Eier abzuschneiden, wie ursprünglich geplant, sondern als "Insider" für einen Überfall auf die verhasste Bank zu rekrutieren.

 

Die Handlung ist dann im Grunde nur ein Vorwand, diese Schauspieler zusammen auf eine Couch oder in ein geklautes Auto zu setzen, um gemeinsam schusselig zu sein, jeder auf seine eingespielte Weise. Die Gags gehen zum Beispiel so: Sitzen vier Bankräuber zusammen im Auto. Will der ehemalige Schauspieler die Zündung kurzschließen. Kriegt's aber nicht hin, weil er das nur in seiner Rolle als "Kommissar Podolski" mal gemacht hat. Und der dumme Boxer sagt immer "Kommissar Lukas Podolski". Saukomisch!

 

Was der Film als Humor versteht, ist in Wahrheit eine sanfte Albernheit, so zuckerleicht, man merkt noch nicht einmal, dass man gar nicht lacht. Denn irgendwie tragen die vier Hauptdarsteller, kraft ihrer Erfahrung, den Film halt doch. Vielleicht auch nur deshalb, weil man an all die anderen, wirklich witzigen Rollen denkt, die sie schon gespielt haben. Alles, bis hin zu den dämlichen "Ich kann Karate, oh, jetzt hast du mich gehauen"-Witzen, ist so wohlig vertraut, dass man den Film bereits selig benommen zu vergessen beginnt, noch während man ihn sieht. Es wirkt der umgekehrte "Poseidon"-Effekt, der ja ohnehin weite Teile der Filmindustrie fest im Griff hat: Nichts geht in "Vier gegen die Bank" wirklich schief, weil nichts schiefgehen darf. Und das spürt man ständig.

 

Wer übrigens Mühe hat, sich zu erinnern, wann denn Wolfgang Petersen schon mal eine Komödie gemacht hat, der sei auf eine WDR-Produktion von 1976 verwiesen. Es ging um vier Typen, die eine Bank überfallen, der Film hieß "Vier gegen die Bank", Regie: Wolfgang Petersen, der ihn einen "Boulevardfilm" nannte. Klaus Doldinger spielte im Soundtrack ein verflucht cooles Saxofon, alles war easy, goldene Zeiten: Petersen machte gerade als gefeierter "Tatort"-Regisseur von sich reden, ein aufsteigender Stern am Firmament, der von Hollywood träumt.

 

Zurück in Deutschland, versucht er nun also, an den locker-flockigen Tonfall anzuknüpfen, den er als junger Mann einmal, ohne Stress und Monsterbudget, fürs Fernsehen entwickelt hat. Aber dafür den Stoff von damals aufzukochen, ist genau der Trugschluss, den alte Männer machen, wenn sie vom Dachboden kommen, stolz die zerschlissenen Jeans ihrer Jugend tragen und sagen: Schaut her, ich bin wieder da.